Rolf Engelhardt aus Kassel

Damit fing alles an: Am 29.09.1964 die Prüfung bestanden und den Führerschein 4 unterschrieben (der Vierer war damals mit 16 Pflicht). Bei 3,00 DM Gebühr und 5,00 DM für die Prüfung (die nur theoretisch war, fahren lernten wir irgendwie anders) durchaus erschwinglich. Wollte ihn schon an mich nehmen, da bemerkte der Prüfer, daß ich erst in 3 Tagen 16 wurde, nahm den “Lappen” wieder an sich mit der Bemerkung, ich könne ihn dann bei der Führerscheinstelle abholen. Das Datum kam, der Weg vom Marburger Erlengraben zum “Behördenhaus” in der Deutschhausstraße war aber sooooo weit, und das Moped war doch schon da, und es fuhr doch auch, und ich konnte doch auch schon gut fahren. Es kam, wie es kam, rauf auf’s Moped (nur nicht über den Rudolphsplatz und sich erwischen lassen, denn da stand damals noch ein Schupo und regelte den Verkehr, man hatte ja noch Respekt vor der Obrigkeit), über die Mensabrücke (Fußgängerbrücke !), die Uferstraße entlang, das Moped bei meiner Schule geparkt und die letzten 70 m zu Fuß, anschließend mit stolz geschwellter Brust Rückfahrt durch die Stadt.

Eine NSU-Quickly war 1964 also mein Einstieg in das motorisierte Leben, ein Geschenk von Onkel Olaf (Gott hab ihn selig) aus Oberursel. Mit zwei Gängen, Handschaltung und Pedalen war es wohl nicht der Traum eines deutschen Jungen der 60er Jahre, (das war damals die Kreidler Florett Super mit 4,2 PS), aber sie fuhr, und sie gehörte mir, und sie war schneller als Mario’s neues Kreidler-Mokick mit 4-Gang-Fußschaltung.

Tja, und dann kam wenige Wochen später eine abendliche Fahrt durch die Oberstadt, gemeinsam mit anderen. Den Steinweg rauf, die Wettergasse runter, rechts rum zum Markt und Heureka, da stand er nun, der damals noch kommunale Schupo mit Dienstsitz im Rathaus, hielt uns an, ermahnte uns wegen des Krachs und prüfte die Papiere. Ich hatte keine (es gab auch keine mehr), die Quickly wurde im Rathaus sichergestellt und am nächsten Tag im Beisein des “Erziehungsberechtigten” abgeholt. Fahren durfte ich sie nicht mehr. Aber verschenken, und zwar an einen Onkel auf dem Lande, der damit noch Jahre zur Arbeit fuhr, glücklich und zufrieden.

1965 und 1966 war dann ein rotes Rixe-Kleinkraftrad mein Stolz (verdammt, auch kein Bild vorhanden). Sie (die Rixe) hatte schon einen Gang mehr, eine Doppelsitzbank und Fußrasten, und vor allem hatte sie ein “großes” Nummernschild. Eines Morgens war sie verschwunden, der Baum, an dem sie wegen des fehlenden Ständers parkte, stand einsam und allein.

1967 - 1968: Victoria KR 25 HM Aero: Meine erste 250er, Bj. 1952, die ich 1967 für 30 DM erwarb (sie stand vorher 4 Jahre in einer Scheune in der Marbach und sprang sogar mit dem alten Sprit noch an), hatte 10,2 PS und war mit 100 Sachen angegeben, fuhr aber lt. Tacho über 115 !! Den Kolbenklemmer beim “Rennen” gegen eine 250er Adler (auf der B3 Richtung Nehebrücke) überstand sie, ich konnte jedenfalls noch nach Hause fahren. Gut, es klapperte danach irgendwie komisch. Und ich mußte sie auch immer anschieben, die Batterie war ständig leer, so daß der Kickstarter nichts nutzte. Ja, heute wär´s ein Bastelstück, an dem man seine Freude hätte. Das wußte ich aber damals noch nicht, als ich sie beim Schrotthändler am Südbahnhof abgab (den Brief habe ich aber  noch).

1976 - 1980: Honda CB 250 G

1976 sagte einer auf meinem Inspektorenlehrgang, wer jetzt keinen Kredit aufnimmt, ist blöd. Na ja, ich hatte doch einen Dispo. Und so kam bis 1980 eine flotte Honda dazu. 2 Zylinder, 250 ccm, 27 PS und 142 km/h Spitze (allerdings nicht bei Gegenwind) waren anfangs “höllisch”, kein Vergleich zur Victoria.

Meine erste längere Reise (spontan entschlossen an einem Samstag Mittag, kurze Hose und Sandalen, Nickijäckchen, Helm - Fehlanzeige) führte mich von Marburg nach Köln und Bonn (Zigarettenpäuschen) und über Montabaur zurück. Ab da begann das Frösteln, das nur in Waldgegenden etwas gelindert wurde. Ich glaube, gegen halb Elf war ich wieder zuhause.

Auch manch frühmontägliche Anreise von Marburg zum Dienst im hessischen Norden (und freitags zurück nach Marburg) habe ich mit ihr absolviert und saß dann auch für einige Zeit durchgefroren im Büro. Aber ich war ja jung, dynamisch und als Insp.z.A. durchaus nicht erfolglos.

1986 - 1999: Honda CX 500:

Gerade mal vier Jahre war die “Güllepumpe” alt, als ich sie 1986, also nach langer zweiradfreier Zeit, mit 24.500 km auf der Uhr und für weniger als 3.000 DM erwarb. Sie hielt mir 13 Jahre lang ohne Mucken die Treue. Sogar das Timmelsjoch und einige weitere Pässe in Südtirol hat sie gesehen.

1999 fuhr an einer Ampel ein nagelneues Golf-Cabrio hinten drauf. Das wars. Das Mopped war ein wirtschaftlicher Totalschaden, aber auch der Golf hatte etwas gelitten. Bis dahin hatten wir über 40.000 km gemeinsam verbracht

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1999 - 2005: BMW K100LT: Dieses ehemalige Flaggschiff von BMW begleitete mich sechs Jahre lang, über 30.000 km, ohne ein einziges Problem. Jetzt hat sie ihren Standplatz an der unteren Lahn.

Und warum ?

Herbst 2004 - Fahrt auf der B3 nach Marburg - hinter Schönstadt vor einer langen Rechtskurve ein LKW vor mir - rechts vorbeigeschaut, aha, 1 PKW kommt - wieder eingeschert und Pkw abgewartet - danach zum überholen angesetzt - da kam der zweite PKW (hab nur den letzten der beiden registriert). Wenn zwischen dem und mir 30 cm gewesen sind, waren es viel. Pffffff, da hat es der liebe Gott aber wieder mal sehr gut mit mir gemeint.

Resumee: 90 PS in einem absolut flotten Mopped sind nichts mehr für mich. Ich brauch was zum Cruisen, zum gemütlichen Fahren. Und so ergab es sich dann ja auch. 

2005 - 18.05.2009: Kawasaki VN 1500 Classic

Nun fahre ich also ein “Dickschiff”, eine Vulcan oder (wie ich auch gelesen habe) eine Arme-Leute- Harley. Aber das macht mir überhaupt nichts. Denn das Vergnügen, wenn man mit 64 PS und fast anderthalb Liter Hubraum, verteilt auf 2 Zylinder, über die Landstraßen blubbert, beginnt bereits auf den ersten Metern und ist einem Dritten kaum zu vermitteln. Obwohl 8 Jahre alt, hatte sie nur knapp
15.000 km auf dem Buckel, als ich sie von einem pensionierten Polizei-Oberkommissar übernahm.

Und der Frühling 2009 ist da und ein neues Mopped-Jahr bricht an. Und die Vulcanier-Germany, denen ich mich 2005 beigesellt habe, haben ihren Saisonauftakt gehabt und ihr Jahrestreffen terminiert, und ich werde teilnehmen, so wie beim Jahrestreffen 2008 in Berlin.

!!! Herrlich !!!

18.05.2009

Nein, das wird nichts mit dem Jahrestreffen,

Mopped kaputt, Handgelenk zweimal gebrochen, aber alles gut verschraubt.

Es ist nur ein kleiner Trost, daß “die Andere” Schuld war.

Wer weiß, was folgt, wenn der erste (doppelte) Schmerz vorüber ist ?

2009 - 2014: Kawasaki VN 1500 Classic.

Nun also wieder, die gleiche, halt ein bißchen anders, aber mit ihren 310 kg Leergewicht genauso schwer. Sie war übrigens vorher im Besitz von “VN Barny”.

SKROktober 2014: Die “Dicke” ist verkauft in den Hamburger Raum, und ich werde mich künftig mit meinem 125er Roller allein ver- und begnügen.
Denn alles hat seine Zeit, auch eine “Biker”-Zeit geht mal zu Ende, und 400 km in 2 Jahren zeugen nicht mehr von Leidenschaft.

 

Nein, traurig bin ich nicht, dass sie nicht mehr da ist, sondern froh, dass ich sie und ihre Vorgängerinnen haben durfte.